Beamex Blog für Kalibrier-Spezialisten

Was ist ein Kalibrierzertifikat? Alles, was Sie darüber wissen müssen

Geschrieben von Heikki Laurila | 11.08.2026

Ganz gleich, ob Sie Ingenieur, Qualitätsmanager oder Compliance-Verantwortlicher sind, wahrscheinlich sind Ihnen Kalibrierzertifikate bereits begegnet. Aber was genau bedeuten sie und worauf sollten Sie achten?

In vielen Fällen werden Kalibrierzertifikate einfach angefordert, um Compliance-Anforderungen zu erfüllen, und werden dann für Audits in Ordnern abgelegt, ohne jemals im Detail überprüft zu werden. Diese Dokumente enthalten jedoch wertvolle Informationen über die Leistung Ihrer Geräte, unter anderem darüber, ob sie noch innerhalb der Toleranzen liegen und wie sicher Sie sich bei den Messungen sein können, die mit den Geräten vorgenommen werden.

Dieser Blog erläutert:

  • was ein Kalibrierzertifikat ist,
  • welche Informationen darin enthalten sein sollten,
  • wie ein Kalibrierzertifikat zu interpretieren ist und
  • warum Akkreditierung, Messunsicherheit und Rückführbarkeit wirklich wichtig sind.

Ganz gleich, ob Sie Messinstrumente verwalten oder sich auf ein Audit vorbereiten – dieser Leitfaden hilft Ihnen, fundierte Entscheidungen zu treffen und häufige Fehlerquellen zu vermeiden. 

 

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Ein Kalibrierzertifikat ist das dokumentierte Ergebnis einer Kalibrierung
    Es zeigt die Leistung Ihres Geräts, einschließlich der Resultate, Messunsicherheit und Rückführbarkeit.
  • Eine Akkreditierung stärkt das Vertrauen
    Nach ISO/IEC 17025 akkreditierte Zertifikate liefern unabhängig verifizierte Ergebnisse.
  • Die Messunsicherheit und Rückführbarkeit sind entscheidend
    Sie bestimmen, wie zuverlässig Ihre Messergebnisse wirklich sind.
  • Zertifikate laufen nicht ab
    Die Kalibrierintervalle werden auf Grundlage der Nutzung, des Risikos und der Anforderungen festgelegt.
  • Ignorieren Sie die Daten nicht
    Ergebnisse und Abweichungen können eine Drift, Probleme und potenzielle Risiken in Ihrem Prozess aufdecken.
     

 

Inhaltsverzeichnis

 

Was ist ein Kalibrierzertifikat?

Ein Kalibrierzertifikat ist ein offizielles Dokument, das die Ergebnisse einer Kalibrierung aufzeichnet und zeigt, wie ein Messgerät im Vergleich zu einem Bezugsnormal funktioniert.

Das Kalibrierzertifikat bestätigt, ob das Gerät genau misst und enthält Informationen zur Rückführbarkeit und Messunsicherheit.

Beginnen wir mit einer Erinnerung daran, was Kalibrierung ist: der dokumentierte Vergleich eines Messgeräts mit einem rückverfolgbaren Referenzgerät. Das Kalibrierzertifikat ist der „dokumentierte“ Teil dieser Definition, der die Ergebnisse der Kalibrierung enthält.

Wenn die bei der Kalibrierung festgestellten Fehler zu groß sind, muss das Gerät möglicherweise vor einer erneuten Kalibrierung justiert werden. Obwohl Justierung und Kalibrierung unterschiedliche Prozesse darstellen, wird die Justierung häufig in den Kalibrierprozess integriert.

 Ein Kalibrierzertifikat wird in der Regel von einem Kalibrierlabor ausgestellt. In regulierten oder qualitätskritischen Branchen sind diese Zertifikate für Audits, die Einhaltung von Vorschriften und die Aufrechterhaltung des Vertrauens in die Geräte unerlässlich. Je nach Art des Labors kann ein Zertifikat akkreditiert oder nicht akkreditiert sein. 

 

Akkreditierte und nicht akkreditierte Kalibrierzertifikate

Kalibrierlabore werden in der Regel in zwei Kategorien unterteilt: akkreditierte und nicht akkreditierte. Obwohl akkreditierte und nicht akkreditierte Zertifikate ähnliche Informationen enthalten können, gibt es erhebliche Unterschiede. Ein akkreditiertes Kalibrierzertifikat wird von einem Labor ausgestellt, das nach ISO/IEC 17025, dem internationalen Standard für Kalibrierlabore, unabhängig bewertet und zugelassen wurde.

Auch nicht akkreditierte Zertifikate können immer noch rückverfolgbar sein, aber die Rückführbarkeit, die Kompetenz des Personals, die Verfahren und die Messunsicherheit wurden nicht von einer dritten Partei überprüft.

In diesem Blog erfahren Sie mehr über Kalibrierlabore und worauf Sie in diesem Zusammenhang achten sollten: Auswahl eines Kalibrierlabors

 

Welche Informationen enthält ein Kalibrierzertifikat?

Während der Inhalt eines nicht akkreditierten Kalibrierzertifikats variieren kann, enthält ein akkreditiertes Zertifikat normalerweise recht standardisierte Informationen.

Ein Kalibrierzertifikat umfasst in der Regel:

  • den Namen und die Kontaktdaten des Kalibrierlabors
  • eine individuelle Zertifikatsnummer
  • eine Kundenkennung
  • das Datum und den Ort der Kalibrierung
  • Details zum kalibrierten Gerät (Modell, Hersteller, Seriennummer)
  • Angaben zu den verwendeten Referenznormalen
  • Informationen zu den Umgebungsbedingungen während der Kalibrierung
  • die Kalibrierdaten, d.h. die numerischen Ergebnisse der Kalibrierung (As Found/As Left-Daten) - weitere Informationen hierzu finden Sie im nächsten Kapitel
  • eine Aussage zur Rückführbarkeit
  • eine Konformitätserklärung (bestanden oder nicht bestanden)
  • die Namen und Unterschriften der verantwortlichen Mitarbeiter
  • die Messunsicherheit (bei einer akkreditierte Kalibrierung)
  • die verwendeten Kalibrierverfahren (interne Standardverfahrensweisen, SOP)
  • die Akkreditierungsstelle und den Geltungsbereich (bei akkreditierten Kalibrierungen)

Einige Zertifikate können auch Korrekturfaktoren, Diagramme oder Kommentare zu durchgeführten Justierungen oder Wartungsarbeiten enthalten.

 

Wie man ein akkreditiertes Kalibrierzertifikat liest

Nehmen wir als Beispiel eine Seite aus einem akkreditierten Kalibrierzertifikat, das vom nach ISO/IEC 17025 akkreditierten Kalibrierlabor von Beamex für ein auf einem Beamex MC6-Kalibrator installiertes Druckmodul ausgestellt wurde.

 Hier ist ein Screenshot einer Kalibrierdatentabelle im Zertifikat (mit unkenntlich gemachten vertraulichen Kundeninformationen): 

Der obere Teil der Seite enthält das Beamex Logo, die Nummer des Kalibrierzertifikats, die Seitennummer, das kalibrierte Gerät mit Seriennummer, das kalibrierte Modul mit Seriennummer, einen Kommentar, dass diese Ergebnisse "as found" und „as left“ sind (bei/nach der Messung), die Bandbreite und die Spezifikationen des Moduls, das Kalibrierdatum und den Namen des Technikers, der die Kalibrierung durchgeführt hat.

Die Ergebnisspalten enthalten:

  • Eingang = der vom Bezugsnormal auf das Druckmessmodul ausgeübte Druck

  • Angezeigter Wert = die Anzeige des Geräts, das kalibriert wird

  • Differenz = die Differenz zwischen dem angelegten und dem angezeigten Wert

  • Erweiterte Messunsicherheit (k=2) = die berechnete erweiterte Messunsicherheit (mit k=2, d. h. 2 Sigma) für jeden einzelnen Kalibrierpunkt

  • Spezifikation Untergrenze = Untergrenze der 1-Jahres-Messunsicherheits-Spezifikationen des Geräts

  • Spezifikation Obergrenze = die Obergrenze der 1-Jahres-Messunsicherheits-Spezifikationen des Geräts

  • Status = eine Angabe, ob der Punkt bestanden oder nicht bestanden ist, unter Berücksichtigung der Differenz und der Kalibrierunsicherheit

Messunsicherheit verstehen

Die Messunsicherheit ist der quantifizierte „Zweifel“ am Messergebnis und gibt Ihnen einen wichtigen Kontext für die Kalibrierdaten. Sie zeigt Ihnen, wie sehr Sie sich auf die Kalibrierergebnisse verlassen können, und ist entscheidend für die Feststellung, ob das Gerät seinen Spezifikationen entspricht.

Solange Sie die Messunsicherheit nicht kennen, können selbst perfekt aussehende Resultate irreführend sein. Akkreditierte Labore müssen die Messunsicherheit berechnen und angeben.

Weitere Informationen zur Kalibrierunsicherheit finden Sie im Blog: Messunsicherheit in der Kalibrierung für Nicht-Mathematiker.

 

Rückführbarkeit verstehen

Rückführbarkeit bedeutet, dass die Messergebnisse durch eine lückenlose Kalibrierkette mit jeweils bekannter Messunsicherheit auf nationale oder internationale Normale zurückgeführt werden können. Beispielsweise kann ein Druckkalibrator mit einem Bezugsnormal kalibriert werden, das selbst von einem nationalen Metrologie-Institut wie NIST (USA) oder UKAS (UK) kalibriert wird.

Nur akkreditierte Labore werden regelmäßig von unabhängigen Akkreditierungsstellen auditiert, um diese Rückführbarkeitskette zu überprüfen. Nicht akkreditierte Labore können zwar behaupten, dass sie diese Rückführbarkeit bieten, aber ohne unabhängige Überprüfung kann die Zuverlässigkeit ihrer Angaben schwanken.

Weitere Informationen zur Rückführbarkeit finden Sie im Blog: Messtechnische Rückführbarkeit in der Kalibrierung – Sind Ihre Messungen rückführbar?

 

Gültigkeit von Kalibrierzertifikaten und Kalibrierintervalle

Kalibrierzertifikate haben kein Ablaufdatum. Stattdessen ist der Benutzer des betreffenden Geräts dafür verantwortlich, basierend auf der Nutzung des Geräts, der Kritikalität, den Herstellerempfehlungen und den Anforderungen des Qualitätssystems ein geeignetes Kalibrierintervall festzulegen.

Wenn Sie sich bezüglich der Kalibrierintervalle nicht sicher sind, hilft Ihnen unser Artikel: Wie häufig sollten Instrumente kalibriert werden?

 

Das Digitale Kalibrierzertifikat (Digital Calibration Certificate - DCC)

Das DCC bietet eine intelligentere und sicherere Alternative zu herkömmlichen Papier- oder PDF-Kalibrierzertifikaten. DCC ermöglichen eine bessere Automatisierung und einfachere Datenintegration sowie die Eliminierung manueller Fehler in Kalibrierabläufen.

Ein DCC ist maschinenlesbar, manipulationssicher und ermöglicht einen nahtlosen Kalibrierdatenfluss über Systeme hinweg. Erfahren Sie mehr in Digital Calibration Certificate (DCC) – Was ist das und warum ist es wichtig?

 

Kalibriermanagementsoftware

Die manuelle Verwaltung von Kalibrierzertifikaten kann zeitaufwändig und fehleranfällig sein. Kalibriermanagementsoftware automatisiert die Erstellung, Speicherung, Planung und Auditvorbereitung von Zertifikaten, reduziert den Arbeitsaufwand und verbessert die Konformität.

 

Was passiert, wenn Ihr Kalibrator nicht besteht? Rückführbarkeit in umgekehrter Richtung verstehen

Während ein Kalibrierzertifikat die Genauigkeit Ihres Geräts zum Zeitpunkt der Kalibrierung bestätigt, ist es genauso wichtig zu bedenken, was passiert, wenn Ihr Gerät eine Kalibrierung nicht besteht - insbesondere, wenn es sich um einen Referenzkalibrator handelt, der zur Kalibrierung anderer Geräte verwendet wird.

Wenn bei einer geplanten Kalibrierung festgestellt wird, dass ein Kalibrator außerhalb der Toleranz liegt, müssen Sie das Ausmaß des Fehlers analysieren und ermitteln, wie lange das Gerät möglicherweise schon nicht mehr genau war. Hier kommt die umgekehrte Rückführbarkeit ins Spiel. Umgekehrte Rückführbarkeit ist der Prozess der Überprüfung vorhergehender Aufzeichnungen, um festzustellen, welche Geräte mit dem fehlerhaften Kalibrator kalibriert wurden und zu beurteilen, ob diese Kalibrierungen noch als gültig angesehen werden können.

Je nachdem, wie stark die Abweichung ist und wie kritisch diese Geräte für Ihren Prozess sind, müssen Sie die betroffenen Geräte möglicherweise neu kalibrieren. In risikoreichen oder regulierten Branchen kann ein ungenaues Messgerät sogar zu Produktfolgenbewertungen oder Rückrufaktionen führen, wenn die Qualität oder Konformität kompromittiert sind.

Eine Kalibriermanagementsoftware, die Informationen zur umgekehrten Rückführbarkeit dokumentiert und abrufbar macht, kann in solchen Situationen äußerst hilfreich sein, da sie es Ihnen ermöglicht, betroffene Geräte schnell zu identifizieren und geeignete Korrekturmaßnahmen zu ergreifen.

Eine ordnungsgemäße Dokumentation, eine zuverlässige Kalibrierplanung und das Verstehen der Rückführbarkeit tragen dazu bei, dass Sie auch in diesen Situationen schnell und zuverlässig reagieren können.

 

Beamex Kalibrierservices und -Zertifikate

Beamex bietet ISO/IEC 17025-akkreditierte Kalibrierservicesan an. Unsere Zertifikate umfassen vollständige Messunsicherheitsangaben, Rückführbarkeit, as found/as left-Daten und Justierungen nach Bedarf. Da wir der Hersteller sind, sind unsere Verfahren und Messunsicherheiten im Gegensatz zu Drittanbieter-Laboren für das gesamte Spektrum der Beamex Geräte optimiert.

Denken Sie bei der Auswahl eines Kalibrieranbieters daran, dass die Kalibrierung eines Geräts wie ein Kalibrator der Beamex MC6-Familie mit mehreren genauen Messbereichen für jedes Kalibrierlabor eine Herausforderung darstellen kann. Der Anbieter muss sorgfältig die Messusicherheit für jeden Bereich beachten. Wir haben viele Fälle gesehen, in denen die Messunsicherheit nicht gut genug ist.

Bevor Sie Kalibriergeräte an ein Kalibrierlabor schicken, sollten Sie sicherstellen, dass dieses eine ausreichend niedrige Messunsicherheit bieten kann. Die Kalibrierfähigkeit eines akkreditierten Labors wird in seinem Akkreditierungsumfang beschrieben, der die bestmöglichen Messunsicherheiten für jeden Bereich angibt. Den Akkreditierungsumfang des Labors von Beamex finden Sie auf unserer Seite für Kalibrierservices.

Der beste Weg, Ihre Geräte zuverlässig und auditbereit zu halten ist der Schutz mit einem Beamex Care Plan. Diese Pläne umfassen Kalibrierung, Reparaturen, Updates und technischen Support in einem Rundum-Paket.

 

Fazit

Kalibrierzertifikate sind mehr als nur eine Dokumentation. Sie sind ein wichtiger Nachweis für die Zuverlässigkeit und Konformität Ihrer Geräte. Wenn Sie verstehen, was Kalibrierzertifikate enthalten (oder nicht enthalten), wie Sie die Informationen interpretieren und warum Rückführbarkeit und Messunsicherheit wichtig sind, können Sie intelligentere Entscheidungen für das Qualitäts- und Risikomanagement treffen.

Wenn Sie mehr über die Kalibrierservices von Beamex erfahren oder ein Muster-Kalibrierzertifikat ansehen möchten, kontaktieren Sie uns oder besuchen Sie den Bereich Kalibrierservices auf unserer Website.

 

 Wenden Sie sich gerne an unsere Experten, um Ihre Kalibrieranforderungen zu besprechen.