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Bald werden digitale Kalibrierzertifikate (DCC) Realität – Ist Ihr Unternehmen bereit, davon zu profitieren?

Geschrieben von Sami Koskinen | 23.06.2026

Das digitale Kalibrierzertifikat (DCC) ist ein echter Game Changer für die Prozessindustrie und ermöglicht die standardisierte, konsistente, authentifizierte und verschlüsselte Speicherung und Weitergabe von Kalibrierergebnissen. Ist Ihr Unternehmen bereit, die Vorteile dieses neuesten Schritts in der digitalen Revolution zu nutzen? Sami Koskinen, Director, Digital Transformation bei Beamex, erzählt uns alles, was wir über dieses revolutionäre Konzept wissen müssen.
In meinen 30 Jahren in der Kalibrierbranche habe ich enorme Veränderungen erlebt – Veränderungen, die dazu beigetragen haben, die Art und Weise, wie Kalibrierungen durchgeführt werden, die zur Durchführung verwendeten Geräte und die zur Speicherung der Informationen verwendeten Systeme zu verbessern. Aber wenn wir ans Ende der Kette gelangen, an den Punkt, an dem wir ein Kalibrierzertifikat für ein Gerät erstellen müssen, sind die Dinge bis jetzt nicht wirklich über Papier oder PDF hinausgekommen.

In einer traditionell konservativen Branche fühlte sich Papier immer gemütlich, sicher und vertraut an – ein Format, das jeder verstehen kann. Was nicht kaputt ist, sollte man nicht reparieren, oder? Da aber die Digitalisierung aktuell bereits in früher gelagerte Punkte der Kalibrierkette vordringt – was zu einer deutlich besseren Genauigkeit und Rückführbarkeit führt – ist der Druck, auch den letzten Schritt, d.h. das die Daten enthaltende Kalibrierzertifikat, zu digitalisieren so stark geworden, dass man ihn nicht mehr ignorieren kann.

 

 

Inhaltsverzeichnis





Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Digitale Kalibrierzertifikate (DCC) verändern die Kalibrierung, indem sie Papier durch strukturierte, maschinenlesbare Daten ersetzen.
  • Die Reduzierung manueller Aufgaben verbessert die Effizienz und minimiert Fehler, wodurch Kalibrierprozesse beschleunigt werden.
  • Die Systemintegration ermöglicht einen nahtlosen Datenfluss zwischen Tools und Plattformen und unterstützt so die Verwendung von Kalibrierdaten in Echtzeit.
  • Die Standardisierung gewährleistet die Interoperabilität zwischen Laboren, Dienstleistern und Kunden.
  • DCC stärken die Rückführbarkeit, Datenintegrität und Compliance und reduzieren gleichzeitig den Verwaltungsaufwand.
  • Die Umsetzung hat bereits begonnen, weshalb eine frühzeitige Vorbereitung der Schlüssel zur Wettbewerbsfähigkeit ist.

 

Mit zunehmender Automatisierung wächst auch der Bedarf an Kalibrierung 

Insbesondere Pharma- und Life-Science-Unternehmen nehmen eine Vorreiterrolle bei der Automatisierung ein. Mehr Automatisierung bedeutet mehr Sensoren, und eine größere Anzahl von Sensoren bedeutet einen größeren Kalibrierbedarf. Ohne einen robusten Kalibrierprozess kann man den Messungen dieser Sensoren nicht vertrauen – und in stark regulierten Branchen wie der Pharmaindustrie ist Vertrauen alles.

Bei Beamex arbeiten wir seit fünf Jahrzehnten Hand in Hand mit Kunden zusammen, um sie bei der Automatisierung und Verbesserung ihrer Kalibrierprozesse zu unterstützen. Heute gibt es dank der Digitalisierung bessere Wege, Kalibrierungen durchzuführen, Ergebnisse besser zu dokumentieren und mehr Wert aus den Kalibrierdaten herauszuholen.

Doch beim letzten Schritt, dem Erstellen eines Kalibrierzertifikats, verlässt man sich immer noch stark auf Papier – oder im besten Fall auf PDF. Vielleicht haben Sie einen externen Dienstleister, der Ihnen ein Papier- oder PDF-Zertifikat aushändigt, und es gibt keine gängige Methode, mit der man die enthaltenen Daten analysieren oder daraus einen Wert ziehen könnte. Doch am Horizont zeichnet sich ein bahnbrechender Wandel ab.

 

Der Aufstieg des DCC

Das DCC verändert die Kalibrierung, da es sich um ein maschinenlesbares Zertifikat handelt, auf die einfach, wiederholbar und fehlerfrei zugegriffen werden kann. Die in diesen Zertifikaten enthaltenen wertvollen Informationen können auch in ein standardisiertes und volldigitales Format übertragen werden.

Man kann sich das DCC als MP3 der Kalibrierung vorstellen: eine digitale Datei auf XML-Basis, die einfach geteilt und von Maschinen gelesen werden kann. Die Vision von Beamex für den DCC-Prozess basiert auf Cloud-Hubs. Diese wären branchenweit anerkannt und verschiedene Parteien könnten sich darüber verbinden und DCC im XML-Format austauschen. Im Hub werden die DCC-Datensätze als gültig authentifiziert, unterschrieben und dann an den jeweiligen Kunden geliefert.

Dieser cloudbasierte Ansatz ersetzt Punkt-zu-Punkt-Verbindungen zwischen Unternehmen und externen Anbietern, die hohe Investitionen erfordern und sich nach der Einrichtung nur schwer ändern lassen. Die Cloud hat auch den zusätzlichen Vorteil, dass sie einfach skalierbar ist.

Beamex war seit der ersten Stunde an den Bemühungen zur Entwicklung eines globalen DCC-Standards in Zusammenarbeit mit nationalen Metrologieinstituten und wichtigen Branchenvertretern wie Testo, Endress & Hauser und Siemens beteiligt.

Zusammen mit Boehringer Ingelheim, dem weltweit größten privaten Pharmaunternehmen, ist Beamex noch einen Schritt weiter gegangen und hat den ersten DCC Proof of Concept entwickelt, der jetzt für ausgewählte Anwendungen verfügbar ist.

 

Experteneinblick: Klaus Fickinger, Boehringer Ingelheim

 Klaus Fickinger, Senior Manager, Global Calibration, spricht über seine Gedanken zur Zusammenarbeit mit Beamex:  

"Das Vier-Augen-Prinzip sehe ich nach wie vor als Herausforderung. Wie stellen wir sicher, dass die von uns gemessenen Werte auch die richtigen sind – und das während wir versuchen, effizienter und schlanker zu werden. In einem hochregulierten Umfeld wie der Pharmaindustrie müssen wir immer den Nachweis erbringen, dass das, was wir nutzen, gültig ist. Um diesen Herausforderungen zu begegnen, brauchen wir intelligente Lösungen.

"Wir führen allein in unserer Produktionsumgebung jährlich 150.000 Kalibrierungen durch, von denen 20 Prozent mit dem Versand von Geräten verbunden sind. Wir kooperieren mit 50 externen Dienstleistern, die Kalibrierergebnisse liefern und deren Papier- oder PDF-Zertifikate alle unterschiedlich aussehen. Während Prüfungen ist die Übertragung externer Ergebnisse in das Kalibriersystem fehleranfällig.

"Als ich die Entwicklungen rund um das DCC sah, erkannte ich sofort die damit verbundenen Möglichkeiten. Also starteten wir das DCC Production-Projekt, das von PTB, dem Nationalen Institut für Messtechnik Deutschlands, und Boehringer Ingelheim geleitet wurde. Das Projekt brachte die großen Akteure der Pharmaindustrie an den Tisch – darunter Hersteller, Service Provider und Anbieter von Kalibriermanagementsystemen wie Beamex."

 

Wir sitzen auf einer Goldgrube an Informationen

 Der Hauptzweck eines Kalibrierzertifikats – in welcher Form auch immer – besteht darin, nachzuweisen, dass ein Instrument genaue Daten liefert und wie vorgesehen funktioniert. Aber wenn das Zertifikat einfach in einem staubigen Schrank abgelegt und nur für ein Audit hier oder einen Fehlerbehebungsprozess dort ausgegraben wird, erhalten Unternehmen keinen echten Wert, weil es ein statischer Schnappschuss bleibt.

Das DCC-Konzept bietet eine Möglichkeit, von der Goldgrube der in Kalibrierzertifikaten enthaltenen Informationen zu profitieren. Da die Informationen in einem maschinenlesbaren, leicht übertragbaren Format vorliegen, können sie im Hinblick auf das Verhalten von Instrumenten unter bestimmten Bedingungen im Laufe der Zeit analysiert werden. Sie können Trends ermitteln, Dashboards erstellen und eine komplett neue Fülle von Vorteilen erschließen, die Sie bei der kontinuierlichen Verbesserung Ihrer Prozesse unterstützen. Darüber hinaus eröffnen DCC auch die Möglichkeit, auf vorbeugende, zustandsbasierte Wartung umzusteigen, was zu enormen Zeit- und Kosteneinsparungen führen kann.

Doch während sich das DCC-Konzept weiter entwickelt, ist es wichtig, die zu berücksichtigenden subtilen Komplexitäten nicht aus dem Auge zu verlieren. Nehmen wir wieder unseren MP3-Vergleich. Die Komplexität eines digitalisierten Musikstücks liegt in den verschiedenen Noten des Songs. Bei einem DCC liegt die Komplexität in den verschiedenen Parametern, die von den zu kalibrierenden Instrumenten gemessen werden – wie Druck, Temperatur und Masse. Um schöne Musik mit dem DCC zu machen, müssen wir diese Noten harmonisieren, indem wir bewährte Verfahren für die mit diesen verschiedenen Parametern verbundenen Kalibrierungen zu etablieren und zu teilen.
 

 

Machen wir Rückführbarkeit und Vertrauen zu den Superkräften Europas

Europa ist Vorreiter bei der Demokratisierung von Daten und das DCC-Konzept wird eine große Rolle dabei spielen, Rückführbarkeit zu Europas Superkraft zu machen. DCC schaffen Transparenz und helfen so, Vertrauen in die von uns täglich verwendeten Produkte aufzubauen. Gesuchtes zu finden ist viel schneller und einfacher, wenn Kalibrierdaten über eine digitale Suche auf Abruf verfügbar sind. Dies ist besonders bei Audits hilfreich.

Mit DCC können wir eine vollständige Rückführbarkeitskette von nationalen Messinstituten bis hin zum Endbenutzer des Produkts aufbauen. Durch das Scannen eines QR-Codes auf einer Produktverpackung können wir beispielsweise sehen, wo das Produkt hergestellt wurde, woher die Inhaltsstoffe stammen und sogar wann das die Herstellung unterstützende Automatisierungssystem zuletzt kalibriert wurde. Das schafft Vertrauen.

Durch die Transparenz über die gesamte Rückführbarkeitskette hinweg können wir die Informationen auch dafür nutzen, Unsicherheiten in den Messungen entlang der Kette genauer zu definieren. Jede Messung ist bis zu einem gewissen Grad ungenau, und je weiter am Ende der Kette Sie sich befinden, desto größer ist diese Messunsicherheit. Mit DCC können wir diese Informationen einfacher extrahieren, die Messunsicherheiten definieren und die Messgenauigkeit in der gesamten Kette verbessern.

 

Das DCC kommt, aber sind Sie bereit?

Wenn Sie die Vorteile von DCC nutzen möchten, müssen Sie zunächst Ihre Kalibrierung und andere Prozesse digitalisieren – falls Sie dies nicht schon getan haben. Das muss nicht teuer oder komplex sein. Beamex unterstützt Unternehmen seit über 50 Jahren bei der Suche nach einem besseren Weg der Kalibrierung und bietet aktuell cloudbasierte Lösungen mit niedriger Einstiegsbarriere an.

Die Beamex LOGiCAL Kalibriermanagementsoftware ist zum Beispiel eine einfache und erschwingliche Lösung für Ihre Geräteverwaltung. Mit LOGiCAL wissen Sie immer, was, wann und wie kalibriert werden muss, und können Ihre Kalibrierarbeiten effizient durchführen. Ihre Kalibrierdaten werden in der Cloud gespeichert, das heißt Sie können jederzeit und von überall darauf zugreifen und müssen nicht in eine teure IT-Infrastruktur vor Ort investieren.

Fast jedes Unternehmen mit Automatisierungssystemen und Sensoren verfügt über eine Art computergestütztes Wartungsmanagementsystem (CMMS) zur Verwaltung seiner Anlagen. Vielleicht verwenden Sie auch ein Unternehmensressourcen-System wie SAP, mit dem Sie Prozesse planen. Diese können mit der Beamex CMX Kalibriermanagementsoftwareintegriert werden, die eine umfassende lokale Lösung für die Erfassung und Speicherung von Kalibrierdaten bietet.

Mit dem Beamex-Kalibrier-Ecosystem können Sie den finalen, fehleranfälligen manuellen Dateneingabeschritt eliminieren, der mit der Erstellung von Papier- oder PDF-Kalibrierzertifikaten verbunden ist – unabhängig davon, ob Sie die Zertifikate selbst erstellen oder ob sie von einem Drittanbieter bereitgestellt werden.

Sobald sich die Branche auf ein harmonisiertes Ökosystem geeinigt hat, in dem Kalibrierdaten zwischen Unternehmen über cloudbasierte Hubs ausgetauscht werden können, sprechen wir alle dieselbe Sprache und Sie können die Vorteile des DCC voll ausschöpfen.

Ich bin stolz auf die Arbeit, die geleistet wurde, um diesen Punkt in der DCC-Reise zu erreichen, und auf die Rolle, die Beamex zusammen mit Normungsinstituten, nationalen Messinstituten, Kalibrierlaboratorien und großen Akteuren der Prozessindustrie in der Förderung der Entwicklung der DCC gespielt hat.

Wenn Sie bereits auf dem Weg zu einem vollständig digitalen Kalibrierprozess sind, würden wir gerne mit Ihnen darüber sprechen, wie wir Ihren Prozess weiter verbessern und Ihnen dabei helfen können, den vollen Nutzen aus den erzeugten und enorm wertvollen Informationen zu ziehen. Wenn Sie sich nicht sicher sind, wo Sie mit der Digitalisierung Ihres Kalibrierprozesses beginnen sollen, lassen Sie uns gemeinsam herausfinden, wie wir Ihnen dabei helfen können, mit dem Beamex Ecosystem einen besseren Weg der Kalibrierung zu finden. Das DCC kommt und wir stehen jederzeit gerne bereit, Sie beim Einfahren seiner Vorteile zu unterstützen.

 

 

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Relevantes DCC-Material & Links

Dokumente, die das Grundkonzept und die allgemeine Struktur des DCC beschreiben:

  • S. Hackel, F. Härtig, J. Hornig und T. Wiedenhöfer. The Digital Calibration Certificate. PTB-Mitteilungen, 127(4):75-81, 2017. DOI: 10.7795/310.20170403.
  • S. Hackel, F. Härtig, T. Schrader, A. Scheibner, J. Loewe, L. Doering, B. Gloger, J. Jagieniak, D. Hutzschenreuter und G. Söylev-Öktem. The fundamental architecture of the DCC. Measurement: Sensors, 18:100354, Dezember 2021. DOI: 10.1016/j.measen.2021,100354.

Weitere Informationen zu den technischen Aspekten der DCC finden Sie auch im Wiki Digitales Kalibrierzertifikat der PTB (Physikalisch Technische Bundesanstalt): Digitales Kalibrierzertifikat (DCC) - Wiki | Digitales Kalibrierzertifikat – Wiki (ptb.de)

Weitere Informationsquellen zum Potenzial und den Vorteilen des DCC in einem Kalibrier-Ecosystem:

  • J. Nummiluikki, T. Mustapää, K. Hietala und R. Viitala. Benefits of network effects and interoperability for the digital calibration certificate management. 2021 IEEE International Workshop on Metrology for Industry 4.0 & IoT. DOI: 10.1109/MetroInd4.0IoT51437.2021.9488562.
  • J. Nummiluikki, S. Saxholm, A., KärkkäinenS. Koskinen. Digital Calibration Certificate in an Industrial Application, Acta IMEKO Vol. 12, No. 1 (2023). DOI: 10.21014/actaimeko.v12i1.1402.

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